über kafarna:um

IMG_6866

Stand: Frühsommer 2009

Überblick

schild.jpgEntstanden zunächst in einem Büroraum von nur 29 qm entwickelte sich die kleine Jugendkirche der anderen Art “kafarna:um” innerhalb kürzester Zeit zum Erfolgsmodell und wurde nach nur einem Jahr ausgebaut zu einer Hauskirche von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Im Windschatten des sie umgebenden kirchlichen Rückbaus konstituierte sich unbemerkt eine anziehungsstarke junge Gemeinde in Kaffeehauslage, eine Kirche mit WG-Charakter, mit einem mindestens mittelkleinen Gottesdienstraum umgeben von Wohnküche, Diele, Arbeitszimmer, Wohnzimmer und Sonnenterasse.

Einführung: Vorgeschichte

Schon relativ früh (2005) befassten sich in Region und Stadt die MitarbeiterInnen in der Jugendseelsorge mit der damals sehr aktuellen Idee einer Jugendkirche für die Stadt Aachen. Mit der Vakanz wichtiger Stellen in der Jugendseelsorge und der schweren Finanzkrise des Bistums landete ein erstes Konzeptpapier aber zunächst in der Schublade. Auch lokale Vorstöße in der Innenstadt verliefen bald im Sande, insofern seitens der angefragten Gemeinden die Idee entweder als Bedrohung (“müssen wir dann raus?”) oder als lebenserhaltende Maßnahme missverstanden wurde, das verdunstende Gemeindeleben hiermit wieder in Schwung zu bringen – “wenn wir dann unsere Messen behalten… Jugendmessen mögen wir auch!”

Kafarna:um I: Dass selbst an der Türe kein Platz

fensterbild.jpgDas Konzept zu Kafarna:um I machte insofern die Not zur Tugend. Jugendliche TaizéfahrerInnen verlangten im Herbst 2006 nach einem Ort, wo “wir so etwas zuhause weiterleben können”. Der Pastoralreferent für Jugend- und Schulseelsorge in der Innenstadt ersehnte vor dem Hintergrund der Erfahrung von 3 Jahren ortlosen Arbeitens ebenfalls einen Ort, wo man jugendspirituelle Angebote ungestört etablieren konnte. Ungestört hieß: nicht jeweils Stunden mit dem Auf- und Abbau verbringen müssen, nicht ständig Belegungskalender wälzen und Termine schieben müssen, vor allem aber: einen jugendspirituellen Ort für Meditation, Gebet und Gottesdienste haben, wo es schön und hell oder auch mal im Kerzenschein flackernd atmosphärisch sein kann, wo man nicht Tage vorher den Küster anrufen muss, damit die Heizung zweieinhalb Grad wärmer steht, und zuallererst: einen Ort, der so klein ist, dass seine Besucher sich auch in kleinen und kleinsten Gruppen wohl fühlen können und nicht peinlich beklemmt das Veranstaltungsende abwarten, weil mal wieder gefühlt “fast niemand gekommen” war.

agape1.jpgZeit für die “Bürokirche” Kafarna:um I: mit Kleinstbudget (2.500,- € aus Spenden und Fördermitteln), zwölf angeregt irritierten bis hoch interessierten Jugendlichen, einem begeisterten Pastoralreferenten und einem extrem vielseitig und vor allem handwerklich talentierten Mensakoch mit Ordensvergangenheit startete das Kafarna:um Projekt in die erste Bauphase. Von der Decke über die Beleuchtung, Dekoration und Ausstattung bis hin zum selbst verlegten Holzfußboden entstand binnen weniger Wochenenden ein “Heiligtum” der anderen Art. Von “Veteranen” belächelt und manchmal kritisch beäugt gestalteten die Jugendlichen ihren Tempel ziemlich orange und ästhetisch stark an der Kirche von Taizé orientiert – ihrem spirituellen Anknüpfungspunkt.

250er_1.jpg 250er_8.jpg 250er_5.jpg

Zwischen regelmäßigen Taizégebeten, Agapefeiern, Heiligabend mit Fondue, Ausflügen ans Meer und besonders gestalteten Kar- und Ostertagen nutzen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen schon bald ihre Jugendkirche, um dort zu “chillen”, in Decken gewickelt Tagebuch zu schreiben, zusammen zu frühstücken oder Musik zu machen. Kafarna:um entwickelte sich zunehmend zum Wohnort – “können wir hier auch übernachten?”

tzgb250.jpg 250er_9.jpg

Die Zusammensetzung dieser Gemeinde darf man als gemischt suchend beschreiben: Jugendliche, die früher wahrscheinlich eine klassische Messdienerleiterkarriere gemacht hätten, Zweifler, Agnostiker, beheimatete Katholiken, Protestanten, Freikirchenerfahrene, ein Buddhist (“ich kann bei Eurem Gebet so gut meditieren”), manche auf der Suche nach Freundschaft, manche auf der Suche nach Gott, manche auf der Suche nach einem Zuhause. Regelmäßig Schüler und Studierende, die vor allem spirituell eine neue oder einfach eine weitere oder andere Beheimatung suchten.

Kafarna:um II: Hauskirche in Kaffeehauslage

Grundriss K2Schon im Sommer 2007 musste im selben Haus der Kinderhort der Pfarrgemeinde aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. Die Innenstadtgemeinden entschieden sich im Frühjahr 2008, das Kafarna:um II Projekt zu ermöglichen. Kafarna:um II wurde im Herbst/Winter 2008 gebaut und eröffnete nur ein Jahr nach der ersten Eröffnung im Oktober seine Türen – in den Grundzügen fertig gebaut, zur Gänze wieder von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Der Grundriss zeigt es, um den Gottesdienstraum K2 gruppieren sich eine Sonnenterasse, ein Eingangsbereich mit Garderobe, ein Arbeitszimmer, eine Wohnküche und ein Wohnzimmer im Keller (“Stereolounge”). Der Gottesdienstraum stellt unübersehbar den Mittelpunkt dar, nicht nur im Grundriss.

Gelegen ist Kafarna:um nach wie vor am Hof, einem wundervollen Platz in der Aachener Innenstadt, in Kaffeehauslage mit Blick auf Dom und Puppenbrunnen. Mehrere weiterführende Schulen und Universitätsgebäude sind nur wenige Fußminuten entfernt, wie auch die Haltestellen Elisenbrunnen und Bushof. Kafarna:um liegt insofern zentral in einem Gebiet, das von jungen Menschen kaum bewohnt, aber sehr belebt ist. Die neuen Räume präsentieren sich wieder in warmen Farben mit orangeroten Wänden, Holzmobiliar und Parkettboden.

Lebensformen und Wohnkulturen

DSC_0362IMG_7911

IMG_7913Mit Hilfe von ehrenamtlichen MitbewohnerInnen realisiert kafarna:um werktägliche Öffnungszeiten mindestens zwischen 17 und 20 Uhr. Diese schichten sich neben das Veranstaltungs- und Gottesdienstprogramm, das behutsam ausgebaut wird: neben dem wöchtenlichen Taizégebet mit “offenen Abend” am Donnerstag, dem derzeitigen Kristallisationspunkt des Gemeindelebens, finden sich teils von Erwachsenen, teils von den Besuchern initiierte und realisierte Zeiten wie ein Lobpreis und ein Glaubensgesprächskreis am Montag, ein KJG Themen- oder Programmabend am Dienstag, erste Eucharistiefeiern am Mittwoch, Wortgottesdienste mit Agapefeier am Sonntagabend. In den Tag- und Nachtstunden dazwischen wird kafarna:um bewohnt von jungen Studierenden und SchülerInnen, die sich mit eigenem Schlüssel hier treffen zu Hausaufgaben, Lerngruppen, gemeinsamem Kochen, zu Jamsession oder Gitarrenunterricht, als Bautrupp, zum DSC_0372Lebensmitteleinkauf, zur Reinigung der Räume, zur Gestaltung von Plakaten und Flyern, Planung von Fahrten, auf einen Kaffee oder ein Bier. Die Entspannung vom Hausaufgabenstress passiert mal beim Shopping in der umgebenden Innenstadt, mal in der Sammlung bei Kerze und “Buch der Bitten” vor dem Kreuz. Inmitten all dessen immer wieder die seelsorgliche Begegnung, manchmal mit Schulfreundin oder Konsemester, manchmal mit dem Pastoralreferenten, dem Mensakoch oder dem EDV-Ingenieur.

aus dem Werbeflyer von kafarna:um

kafarna:um ist der perfekte Ort. eine Kirche der anderen Art. Wundervoll warm, duftend, inspirierend, musikalisch, entspannt, lecker und oft ziemlich lustig. Zwischen Wohnküche, Sonnendeck und Stereolounge findest Du einen Ort, an dem das Wort Sehnsucht eine neue Bedeutung bekommt.

IMG_7352Manche kommen wegen der netten Leute. Manche wegen der Musik. Manche kommen wegen der Stille. Manche wegen der Fertigpizza. Manche kommen wegen der ganz großen Liebe, manche nur, wenn’s gerade juckt. Es gibt Leute, die kommen nur alle drei Monate, während andere fast hier wohnen. Manche kommen nie wieder, aber die meisten sind bezaubert und wollen für immer bleiben. Das ist in Ordnung so.

Du kannst nach kafarna:um kommen, weil du neugierig geworden bist. Oder weil Dir nichts besseres einfällt. Weil Dich jemand mitbringt oder einfach, weil die Fenster hier so dermaßen einladend in die Nacht hinausleuchten.

Mach kafarna:um zu Deiner Oase. Zu Deiner Werkstatt, Deiner Küche, Deinem Rückzugsort. Entdecke neues. Nimm Kontakt auf zu extrem netten Leuten, zu Dir selbst und bei Gelegenheit: zu Gott, den trifft man hier öfter.

kafarna:um – Hauskirche von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Alles wie beim ersten Mal – Selbstwahrnehmung

IMG_8747Wer sich von kafarna:um erzählen lässt, die Hauskirche und ihre Gemeinde kennen lernt, der wird feststellen, dass hier eigentlich nichts neu Erfundenes passiert. Die beschriebenen Aktivitäten, Formen und Inhalte sind ja klassische Elemente kirchlicher Jugendarbeit und Jugendseelsorge. kafarna:um verbindet die Chancen einer “Verhauskirchlichung” mit einer auch ästhetisch attraktiven Atmosphäre und dem Bemühen, mit dem jugendspirituellen Impuls in Kontakt zu bleiben, so wie er am Anfang stand: kafarna:um wurde nicht als Jugendtreff, offene Tür, Mitwohngelegenheit oder Freizeitbeschäftigung gegründet, sondern als Beheimatung gemeinsamen geistlichen Suchens: “Wo können wir beten? Wo können wir Gottesdienst feiern? Wo können wir uns in der Begegnung miteinander um das Wort Gottes versammeln?” Im Mittelpunkt steht dabei nach wie vor der Gottesdienstraum, um den herum der Rest des “Hauses” erst allmählich fertig gebaut wurde und noch wird (Frühjahr 2009).

IMG_8904Der besondere Geist entsteht hierbei aus einer quellendurstigen Wüstensituation, die es den Akteuren ermöglicht, die Dinge so zu tun, als hätte es so etwas noch nie zuvor gegeben. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind in ihre Hauskirche verliebt “wie beim ersten Mal” und sich regelmäßig sicher, dass man so etwas noch nie zuvor gesehen hat (vgl. Mk 2,12). Die erste Liebe ist vom ersten Tag an unvergesslich.

Nicht zu Unrecht muss sich kafarna:um dafür bisweilen kritische Anfragen gefallen lassen: Ist kafarna:um eine Kirche? Eine Jugendkirche? Ist kafarna:um eine Hauskirche? Ist kafarna:um eine Gemeinde? Eine Jugendgemeinde? Eine WG-Kirche? Ein Taizékapellchen, eine Kopie mit Urheberrechtsverletzung?

Trotz aller mithin berechtigten theologischen und pastoralstrukturellen Anfragen erfahren die Gehversuche des Vorhabens aus Kirchengemeinden und von Bistumsseite viel Ermutigung. Auf diese Weise ist es möglich, die auf Dauer unvermeidbare systematisch theologische wie pastoralstrukturelle Einordnung noch ein wenig vor sich her zu schieben.

IMG_9061Vermutlich kommt die so so unausweichlich wie der Tag, an dem die vielen Klebezettel mit Benutzungshinweisen an den Küchenschränken in einer Benutzungsordnung zusammengefasst werden. Irgendwann kommt wahrscheinlich der Tag, an dem es statt einer offenen Schublade mit losem Wechselgeld eine abschließbare Geldkassette braucht. Hat nicht fast jedes früher wild belebte Pfarrheim einen Moment in seiner langjährigen Geschichte, als man überhaupt nicht mehr wusste, wer hier alles einen Schlüssel hat und ein und aus geht, als wegen Ruhestörungen die Polizei kam, als man dem Chaos einfach nicht mehr Herr wurde und sich entschied, mit Hilfe einer Schließanlage das Durcheinander in den Griff zu bekommen?

Auch das ist in Ordnung so und musste passieren, damit in einem dieser gut gesicherten Häuser eines fernen Tages ein wundervolles Pflänzchen wie die kafarna:um Hauskirche entstehen konnte – und ihren Zehnten in elektronische Transponderschlüssel für Gemeindeglieder investierte :-)

Achtung: Dieser Artikel ist kein Werbetext sondern wurde als Praxisbericht für KollegInnen und andere Interessierte geschrieben, die etwas über das kafarna:um Jugendkirchenprojekt erfahren möchten.