london3Die Exkursion nach London wurde mit dem Thema „Frische Ideen von unten“ betitelt. Doch was ist darunter zu verstehen? Beim Vorteffen wurde diese Frage vorläufig beantwortet. Sogenannte „Fresh expressions“ sind moderne Arten von Kirche, die in England weit verbreitet sind. Auf unterschiedlichste Weise versuchen Gruppen oder einzelne Personen den Menschen in ihrer Umgebung eine Form von Kirche zu bieten, mit der sie sich identifizieren können. Wie das in der Praxis aussehen kann, sollte die Fahrt uns zeigen.
Sonntagnacht ging es mit dem Flixbus los Richtung England. Nach der langen Fahrt mit wenig Schlaf sind wir in der britischen Hauptstadt angekommen. Dann hieß es erst mal die Umgebung zu erkunden. Bei einer Tour durch die Stadt haben wir einen ersten Eindruck von den Menschen und der Atmosphäre Londons erhalten.
Abends haben wir an einer traditionellen Form des Betens teilgenommen und im Evensong in Westminster Abbey den ersten Tag ausklingen lassen.

Am Dienstag sind wir in den Norden Londons nach Strawberry Vale gefahren, wo das erste Fresh-X-Projekt auf uns wartete.
Inmitten von einer tristen Gegend mit vielen Mehrfamilienhäusern und einer Schnellstraße vor der Tür begrüßte uns Helen Shannon, die das Projekt „Church at five“ ins Leben gerufen hat.
Nachdem sie uns durch den Estate geführt hat, durften wir in ihrem Wohnzimmer platznehmen, in dem sie uns von ihren Ideen, Zielen und der Umsetzung erzählte. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Ash und einem kleinen Team hat Helen sowohl verschiedene Kinder- und Jugendgruppen als auch einen Gottesdienst für Erwachsene und Familien gegründet, um den Menschen im Estate einen Ort der Sicherheit zu bieten. Obwohl das Projekt anfangs Startschwierigkeiten hatte, hat das Team von Church at five nicht aufgegeben. Die Geschichte von Helen hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, immer weiterzumachen, selbst wenn es mal nicht gut läuft. Eine Idee muss sich erst entfalten und wachsen. Außerdem wurde uns die Individualität der Fresh-X noch einmal deutlich, da dieses Projekt zwar in dem Estate von großer Relevanz ist, an einem anderen Standort aber nicht in dieser Form funktionieren würde. Es geht um die Nachfrage und die Bedürfnisse der Menschen, für die eine Fresh Expression geschaffen wird.

london1Ein ganz anderes Projekt haben wir am Mittwoch kennengelernt. In Brick Lane, einem „Mulitikuliti-Viertel“ mit vielen unterschiedlichen Konfessionen und Menschen wurde das Café Kahaila gegründet. Auf den ersten Blick ist es ein modernes, gemütliches Café für junge Leute, dem man nicht ansieht, das es etwas mit Kirche zu tun haben könnte. Erst wenn man genauer hinsieht, fallen einem die sozialen Projekte auf, die dort vorgestellt werden. Alle  Einnahmen des Cafés, die über die Deckung der Kosten hinausgehen, fließen in diese Projekte. Für einige von uns war es zu unklar, dass das Café eine Fresh Expression darstellt, anderen fanden grade die unaufdringliche und moderne Atmosphäre ansprechend.

Auch am Donnerstag sind wir auf die Suche nach frischen Ideen gegangen. Der Tag begann sehr früh, weil wir uns zum Morgengebet der Kirchenbewegung „Hillsong“ in das Bankenviertel Canary Whorf aufgemacht haben. Um halb acht versammelten sich in einem Kinosaal viele Menschen mit Aktenkoffern und in Anzügen, die anschließend ihren Weg zur Arbeit einschlugen. Das junge Team der sogenannten „Megachurch“ hat das Gebet mit Musik von einer Band eingeleitet. Die Atmosphäre war erstaunlich locker und mitreißend.
Nachmittags besuchte uns Maike Sieben, die in Erkelenz aufgewachsen ist und dort die Jugendkirche „Buntergrund“ gegründet hat. Heute studiert sie in Oxford Politikwissenschaften. Sie erzählte uns sehr eindrücklich von ihrem Engagement, zuerst lokal, mittlerweile für verschiedene internationale Organisationen. Sie ermutigte uns, unseren eigenen Weg zu finden und mit möglichst vielen Leuten in Kontakt zu kommen, die ganz anders sind als wir selbst.
londonAm Abend nahmen wir an einem weiteren Gottesdienst von Hillsong teil. Wer das Gebet am Morgen als übertrieben empfunden hatte, hatte wohl nicht mit diesem „Event“ gerechnet. Die Kirche war randvoll und eine Megataufe sollte stattfinden. Die Schlangen für die beiden Taufbecken vorne am Altar wurden immer länger. Überall sahen wir Menschen in bedruckten T-Shirts die sich taufen lassen wollten. Die Taufe ist ganz anders als bei uns. Die Leute werden komplett ins Wasser eingetaucht und von der Gemeinde angefeuert und bejubelt.
Trotz des spektakulären Aufzugs von Hillsong , den einige fast schon abschreckend fanden, war es spannend zu sehen, wie viele junge Menschen mit dieser Form des Betens angesprochen werden und sich für die Musik und Predigten begeistern.

Am Freitag, dem Abreisetag, haben wir eine letzte Fresh-X besucht. Das Projekt heißt „Moots“ und findet in einem alten Kirchengebäude Platz.
Hier finden regelmäßige Meditationen statt, an denen jeder frei teilnehmen kann. Unabhängig davon kommen viele Menschen in die Kirche, um ihre Mittagspause dort zu verbringen. Auch bei dieser Fresh Expression wird schnell klar, dass es nicht nur um das Beten und den Glauben geht, sondern um einen Ort, an dem die Menschen sich wohlfühlen. Selbst wenn man keinen Bezug zur Kirche hat, kann man dort seine Zeit verbringen.

 

london4Wir haben auf der Fahrt viele inspirierende Menschen kennengelernt, die uns mit ihren Projekten und Ideen neues Werkzeug für unsere eigenen Initiativen an die Hand gegeben haben. Beeindruckend war die Vielfältigkeit an Umsetzungen von Kirche. Obwohl man sich nicht mit jeder Gebetsform identifizieren konnte, war stets der Glaube der Menschen zu spüren. Egal ob in Musik, Meditation oder einfach in der Gemeinschaft, die an einem Ort entsteht.