Am Ende waren es zwei von uns, die sich auf den Weg machen konnten, eine erste Etappe des Jakobsweges für kafarna:um zu gehen: Matthias und Julia. Pascal blieb erkrankt zurück. Und irgendwie kam alles ganz anders, als sie es sich erwartet hatten.

Danke an Julia und Matthias, dass wir an Euren Erfahrungen teilhaben dürfen! Auf geht’s…

Samstag, 2. August

Nicht sesshaft werden
nicht in die Geborgenheit fliehen
keine Mauern um mich herum errichten

erwartend bleiben
fremd in der Fremde sein
leben in aller Vorläufigkeit

der Zusage vertrauen
die Heimat suchen
das himmlische Jerusalem

glauben

losgehen

unterwegs
bleiben

Ich habe vielleicht zu wenig geschlafen, um heute 24 km mit Gepäck zu wandern?
Um 1 Uhr zu Bett und um 5.15 Uhr wieder aufstehen. Das wird sich bemerkbar machen.
Dann kommt noch der frühe Anruf von Pascal, dass er mit einem verdorbenen Magen die Nacht laboriert hat und nicht mitgehen kann. Wir wollen wieder telefonieren, wie es ihm geht und ob er irgendwo unterwegs dazu stoßen kann. Schade!
Als ich den Rucksack schultere, um mich nach kafarna:um auf zu machen, habe ich den schweren Verdacht, dass er eindeutig zu schwer ist. Was aber kann ich raus tun: Kochgeschirr, Leichtluft-matratze, Schlafsack, Zelt, Taschenlampe, Gewürze und Soßenpulver, 2x Ersatzunterwäsche, Socken, T-Shirts, Brevier und Gebetstexte für jeden Tag, Wanderkarten, Pilgerbrief, Empfeh-lungsschreiben, Pflaster, Fußbalsam, Schreibheft…? Ich meine, alles zu brauchen.
Mal sehen, was ich vielleicht Julia noch zum Tragen abgeben kann.
Also dann los.
In kafarna:um treffe ich auf Julia. Wir entschließen uns, bei dem guten Wetter im Hof zu frühstücken. Kaffeekochen, Brötchenholen. Die Kerzen anmachen, Gepäck parken.
Dann kommen Cordula und Philip und Pfarrer Radler. Wir frühstücken, die Stimmung ist gut. Dann sitzen wir vor dem Kreuz, die Kerzen brennen, wir singen, wir beten, hören das Evangelium als Jesus aus Kafarnaum aufbricht, um unterwegs zu sein. Wir werden gesegnet und von den drei Gebetskameraden noch bis vor den Dom, bzw. bis nach St. Jakob begleitet.
Dann sind wir mit uns allein, sind Pilger. Es geht aus der Stadt heraus, in den Preußwald Richtung Moresnet. Das ist alles noch Heimat, noch so sehr Aachen. Gleichwohl: Die Leute schauen, erste Fragen nach der Muschel am Rucksack. Und meine ersten Zweifel, ob nicht doch zu viel im Rucksack ist. Vielleicht muss ich erst noch die richtige Einstellung für den Rucksack mit seinen gefühlten 100.000 Schnüren und Schnallen finden.
Der Weg geht durch den Wald, wir kommen nach Moresnet-Chapelle. Die erste Toilettenpause am Kalvarienberg. Wir staunen über die Sauberkeit der Toiletten. Ein Mann gießt die Blumen an der Wallfahrtskirche und fragt uns über unseren Pilgerweg. Bis Dinant? Er staunt respektvoll!
Weiter geht’s. Am Ortsausgang ein selbst gemaltes Schild auf Französisch „Pilgerquartier St. Jakobus“. Es scheint sich auf der Via Mosana einiges getan zu haben, seit mein Pilger-/ Wanderführer veröffentlicht wurde.
Wir merken langsam, dass die deutsche Sprache seltener wird. Für mich bedeutet das, jetzt wirklich in der Fremde zu sein. Gleichwohl kenne ich die Gegend noch hinreichend von manchem Wanderausflug am Wochenende. Die Wegbeschilderung mit der nun, außerhalb Deutschlands, roten Muschel auf weißem Grund ist sehr gut. Die Wanderkarte brauchen wir nicht.
Wir kommen durch Wiesen, Wälder, feste Wege. Der Mittag ist da. Ich bin saumüde. Die kurze Nacht! Ich wusste, das wird sich rächen! Und dazu wird der Himmel grau, es weht ein kühler Wind. An einer Grillhütte machen wir Pause. Auf der Holzbank, sehr schmal, mache ich ein Nickerchen und gönne mir 45 Minuten Ruhe – mit Schlafsack gegen den Wind und Ohrstöpsel gegen die Geräusche. Julia liest.
Dann der erneute Aufbruch, ich bin frisch und fühle mich gut, bis ich den Rucksack wieder schultere. Kurz nach Henri Chapelle treffen wir auf einen anderen Wanderer. Mit einem Affentempo und kleinem Gepäck, schließt er sich uns kurz an. Er ist Flame, wir sprechen Englisch. Er erzählt, dass er ganz Belgien, alle Fernwanderwege schon gewandert ist. Immer einen Tag und abends mit dem Zug nach Hause und nächsten Tag wieder zum nächsten Startpunkt. Ich halte das für sehr aufwendig. Ich werde etwas in sein schnelles Wandertempo rein gezogen und merke, dass uns das nicht gut tut. Dann trennen wir uns, er geht voraus und weiter.
Wir haben unser erstes Tagesziel, Clermont-Thimister vor uns. Am Weg fragen wir nach dem Campingplatz und erfahren, dass es den nicht gibt. Wir gehen weiter. Der Mann läuft uns nach und deutet auf die Muschel hinten auf dem Rucksack und ob wir Jakobspilger sind. Da gäbe es in Clermont ein Refugio. Er erklärt den Weg und das in Clermont heute Abend Kirmes sei. Unsere Phantasie fliegt: Refugio, feste Betten, Dusche, Kirmesplatz, belgische Fritten, Rotwein, es wird ein guter erster Abend! Nach wenigen Minuten stehen wir vor dem Refugio. An der Tür eine Telefonnummer. Nummer wählen, Julia fragt nach einem Schlafplatz. Heute nicht, die Antwort, wir könnten aber für in 14 Tagen reservieren. Sollen wir jetzt 14 Tage hier vor der Tür sitzen und warten – komische Pilgerherberge?
Gut, erster Tiefschlag. Weiter in den Ort und zur Kirche, über den Kirmesplatz, zum Kircheneingang. Aber wir kommen nicht zur Kirche. Der Zugang zum Kirchplatz durch ein Tor ist versperrt, Kinder müssen hier gerade mit Nutella bestrichene, an Schnüren hängende Zwieback essen. Ich halte das für ein zweifelhaftes Vergnügen angesichts der Kindergesichter – viel Begeisterung meine ich nicht zu erkennen, oder ist das nur meine Missstimmung über das Refugio? Es erinnert mich eher an Max und Moritz und deren Art mit Bändern und Brot daran die Hühner der Witwe Bolte zu fangen. Nun, andere Länder, andere Sitten. Gleichwohl bleibt uns die Kirche St. Jacobus versperrt. Dann erfahren wir auch bald, dass die Kirche ohnedies zu ist, es keinen Pfarrer gibt und wir noch nicht in Thimister sind. Das sei der nächste Ort. Also weiter.
Schließlich kommen wir nach Thimister: Ein schöner Ort, schmucke renovierte Kirche, mindestens drei Kneipen, ein Delhaize, der auch Sonntags geöffnet hat. Wir strahlen wieder etwas. Die Frage nach dem Camping a la ferme führt uns weiter. Mittlerweile aber scheint der Weg unendlich zu werden. Es ist so bei 18 Uhr und wir sind einfach müde und fertig. Hätte doch dieses Refugio auf gehabt! Dann könnten wir schon gewaschen sein, einen Wein auf der Kirmes trinken, schon Feierabend haben?!
Dann erreichen wir den Bauernhof mit dem Camping. Die alte Dame erklärt Julia auf Französisch, dass sie seit 4 Jahren keinen Campingplatz mehr hat. Sie zeigt uns aber eine Ecke, wo wir unser Zelt aufbauen können, zeigt uns eine Dusche und gibt uns einen Eimer Wasser. Das ganze kommt mir jetzt schon vor, wie ein Drei-Sterne-Hotel. Ist das dann schon der Sternenweg?!
Also: Zeltaufbau, Schlafstelle machen. Etwas ausruhen. Julia versorgt ihre ersten Blasen – gut, dass ich ausreichend Blasenpflaster gekauft habe. Ich esse die ersten meiner Wunderpillen: Mineralien, die auch Bergsteiger verwenden, hat die Apothekerin gesagt. Na, es ist ja auch eine Glaubensveranstaltung, dieser Weg.
Dann gehen wir in den Ort zurück, langsam, Julia mit den Blasenpflastern etwas eirig, ich spüre aber auch meine Hüftgelenke und vermeine etwas schwankend zu gehen, es nieselt. Der Weg ist jetzt deutlich (gefühlt) kürzer als vorhin. Wir gehen in eine Brasserie, bestellen Rotwein und Omelette. Es ist einfach, gut, lecker und reichhaltig. Dann als Nachtisch noch ein belgisches Bier. Wir ziehen zufrieden und glücklich zum Zelt. Dann beten wir noch zusammen und schlafen bald ein.

Sonntag, 3. August

Einen Augenblick lang erahnen
was Ewigkeit ist
einen Augenblick lang gespürt
was Erfüllung ist
einen Augenblick lang gefühlt
wie Gott liebt

und vorbei

und doch
gewesen
und Sehnsucht nistet sich ein
macht mich unruhig
macht mich sehnen
lässt mich suchen
macht mich schreien vor Schmerz

und so breche ich aufgebrochen
und lasse mich aufbrechen
und lasse schmerzhaft los
und verlasse mich
auf sein Wort
und gehe losgegangen

breche auf in mir
breche auf zu mir

gehe los
um mich zu finden

Ich meine, wir haben zu lange geschlafen. Als ich aufwache, sehe ich Julia schon wach mit lesen oder so was beschäftigt. Warum hat sie mich nicht geweckt? Die Weckzeit habe ich verpasst, weil ich das Handy auf Vibration geschaltet hatte. Dann mal auf: Katzenwäsche, weil der Raum mit der Dusche verschlossen ist. Ein Schluck Wasser als Frühstück, weil ich den Brennspiritus vergessen habe. Packen, Zeltabbau. Als wir aufbrechen, kommen die Leute aus dem Haus, fragen, ob wir duschen wollen?! Zu spät! Wir bedanken uns für die Gastfreundschaft – stellen auch fest, dass wir nicht wissen, wie „Gott segne sie“ auf Französisch heißt, weil ich meine, dass wäre ein adäquater Gruß von Pilgern – und ziehen los. Das erste Pilgerziel an diesem Tag: Ortsmitte, Kirche für den Stempel und Delhaize für das Frühstück. Die Kirche ist zu, Messe war am Vorabend. Ich schaue wohl etwas hilflos und verzweifelt. Ein Mann spricht mich an. Ich erkläre mit Händen und Füßen, dass wir Pilger sind und einen Stempel brauchen. Dann geht es auf Englisch weiter. Ich laufe und hole Julias Pilgerausweis – Julia sitzt vor dem Delhaize und bewacht unser Gepäck. Einen Moment überlege ich, ob ich auch Pascals Ausweis einfach mit stempeln lassen soll. Ich bin mir aber dann ziemlich sicher, dass Pascal ehrlicher ist als ich und das nicht sein Ding wäre – ich lasse es. Der Mann geht mit mir zu einem Haus, hintenrum rein: Das Pfarrbüro. Zieht ein Siegel und stempelt. Ich danke ihm, wünsche ihm Gottes Segen und er uns und ich gehe zu Julia und dann einkaufen: Wurst, Käse, Honig, Wasser, Brennpaste, Baguette. Dann geht’s wieder auf den Jakobsweg. Die rote Muschel auf dem weißen Grund ist schon vertraut und erfreut uns, als wir sie wiederfinden.
Ich denke immer zwischendurch an Pascal. Wie es ihm geht und ob und wann er zu uns stoßen kann. Es tut mir herzlich leid, dass er nicht bei uns ist. Und doch, irgendwie geht er in Gedanken mit.
Nach einigen hundert Metern finden wir eine Bank, und machen Frühstück. Ich koche Teewasser für Julia und Kaffee für mich. Wir essen – immer unterbrochen von Grüßen an die vielen Menschen, die um diese Zeit – immerhin ist es schon 10.30 Uhr – zum sonntäglichen Radeln unterwegs sind. Nach dem Essen beten wir in den Tag hinein und ziehen weiter. Ein schnurgerader Weg. Alle Weile ein Schild mit einer Zahl, die, je weiter wir kommen abnimmt. Wir vermuten eine Kilometerangabe – nach Lüttich? Am Fort Battice begegnen wir einem Radwanderer. Ja, die Zahlen zeigen die Entfernung bis Liege. Er fährt heute noch bis Monschau und insgesamt auf seiner Fahrt über Taunus, Altmühltal, Regensburg, Donau, Passau, Wien bis Budapest. Ich staune.
Wir ziehen weiter.
Immer gerade aus. Der Weg geht durch Natur aber auch die Hinterhöfe sehen wir, die Stadtränder. Die Leute auf dem Weg zum Einkaufen und zum Flohmarkt. Unzählige Radfahrer begegnen uns. Die freundlichen Grüße nehmen ab, je dichter wir an die größeren Ortschaften und die Vororte von Lüttich gelangen. Und umgekehrt proportional dazu nehmen die verdutzten Blicke zu – zumindest gefühlt. Das Rauschen hinter den Bäumen wird mit viel Phantasie ein Fluss, aber es bleibt doch die Autobahn, die uns so begleitet. Es beginnt zu regnen. Dann wieder Sonne. Unter der Regenjacke bin ich nass, ich schwitze. An den Rucksack hab ich mich gewöhnt. Wie schnell das ging, ich wundere mich über mich, wir sind Freunde geworden, nicht die besten aber vertraut miteinander. Julia hat weit weniger freundliche Begleitung bekommen. Julia plagen die Blasen, es geht nicht gut voran. Wir kommen nach Jupille sur Meuse. Machen neben Häusern an einer Weide halt. Julia braucht ein Gebüsch. Sie ist genervt, weil ich nicht Rücksicht nehme. Sie hat Durst. Der Rastplatz ist nicht optimal, es scheint der Hundeausführplatz für die nächsten Häuser zu sein. – Es scheint mir ohnedies, hier mehr Hunde zu geben als in Deutschland – oder meine ich das nur, weil ich auf Katzen programmiert bin? – Vorhin wären jedenfalls bessere Möglichkeiten für eine Pause gewesen, da waren wir uns aber nicht einig, bzw. ich habe wohl die Signale von Julia übersehen. Die Stimmung ist nicht gut.
Wir gehen jetzt den Berg runter, ein steiniger und steiler Abstieg ins Tal.
Als wir an den nächsten Häusern ankommen ein Straßenschild. Wir sind in Lüttich. Bis zur Innenstadt, verrät mir die Karte sind es freilich noch gute 8 km.
Aber, wie ausgemacht, am nächsten „Tasskaffeegeschäft“ kehren wir ein. Wir gehen hinten durch auf die Terrasse. Die Kneipe ist voll, laute Musik, die ich jetzt schwer ertragen kann. Wir entpuppen uns zur Attraktion: Fragen nach dem, was wir machen, wie weit, woher. Wir sind das Kneipengespräch, Leute kommen auf die Terrasse raus, gucken uns an, gehen wieder rein. Oft scheinen hier keine Pilger vorbei zu kommen, zumindest aber nicht ein zukehren. Julia nimmt Cola und Salami, ich Kaffee und ein Radler hinterher. Es ist wie im Himmel: ein bequemer Sessel auf einer geweißten Terrasse, Sonne, etwas kühler Wind, etwas zu trinken.
Wir entschließen uns, den Bus in die Innenstadt zu nehmen. Es ist Spätnachmittag um 17 Uhr. Wir sind einfach früh zu spät weggekommen und müssten mindestens noch 1 ½ Stunden bis zur Innenstadt und Jugendherberge laufen. Als wir das Lokal verlassen, fährt gerade der Bus an uns vorbei. Wir gehen eine Haltestelle weiter Richtung Stadt. In 20 Minuten kommt der nächste. Wir sitzen auf dem schmalen Gehweg, essen Salami und Käse. Dann kommt der Bus. Der Busfahrer gibt uns einen Fahrschein und wir staunen wieder über die niedrigen Preise beim belgischen Nahverkehr. In Aachen hätte nicht einer allein für diesen Zweierpreis fahren können. Wir wollen auf den Hauptplatz St. Lambert und dann die Jugendherberge suchen. Während der Fahrt stelle ich plötzlich fest, dass der Bus eben vor der Jugendherberge gehalten hat. Also auf und die nächste Haltestelle schnell raus. Gesagt getan. Und, man glaubt es nicht: An der nächsten Haltestelle entlässt uns der Bus vor der Kirche St. Pholian. Klingt das nur nach St. Foillan oder hat das miteinander zu tun. Egal, es klingt zumindest vertraut und tut schon deshalb gut. Aber zur Überprüfung fehlt die Zeit, es drängt uns zur Jugendherberge, frei nach Brecht: „erst kommt das Fressen, dann die Moral.“ Wir wollen ein Bett, eine Dusche, Essen, Trinken, Rasten, Ruhen.
Wir gehen den kurzen Weg zur Jugendherberge zurück. Ich entdecke einen Fehler in unserer Wanderkarte: Die Rue Georges Simenon heißt in meinem Stadtplan Rue St. Simeon. Da hätten wir ohne „Kommissar Zufall“ wohl lange die Jugendherberge gesucht.
Wir nehmen unser Zimmer, gehen hoch und sind es zufrieden, sehr zufrieden. War der Campingaufenthalt der ersten Nacht ein Drei-Sterne-Hotel-Gefühl, so ist es jetzt unbeschreiblich im Vergleich: Betten, Bettwäsche, Toilette, Dusche, warmes, ja heißes Wasser.
Beim Weg zur Jugendherberge habe ich direkt daneben eine offene Kirche gesehen. Während Julia beginnt sich die Füße und Blasen zu versorgen und dann zu duschen, Wäsche waschen und und und, gehe ich nochmal runter, um kurz in die Kirche zu schauen… Als ich die Kirche St. Nicolaus betrete, stelle ich fest: Es ist gleich Sonntagsmesse. Zufall?
Ich suche mir hinten eine Bank, schließlich bin ich in kurzer Hose, T-Shirt, Sandalen und barfuß. Es kommen mehr und mehr Leute. Mit meinem Outfit falle ich aber nicht auf. Die Messe ist spärlich besucht. Ein alter heruntergekommener Stadtteil mit hohem Migrantenanteil. Ich verstehe kein Wort, weiß aber doch an welcher Stelle ich jeweils im Verlauf des Gottesdienstes bin – da macht sich etwas international-katholisch-lateinische Erfahrung dann doch wieder bezahlt, universell bleibt eben universell. Und das mein ich gar nicht mal überheblich, sondern hier mal rein praktisch.  Ein Textblatt hilft mir auch, die Lesung und das Evangelium zu identifizieren. Die Lesung entpuppt sich als Paulus‘ Brief an die Römer „was kann uns scheiden von der Liebe Christi, Not, Verfolgung…“. Mir fallen Julias Blasen und meine Plagen um das Gewicht des Rucksacks ein. Das Evangelium ist bei Matthäus die Speisung der Fünftausend. Das hatten wir noch am Mittwoch im Bibelkreis – wie praktisch. Die Predigt versteh ich freilich nicht. Ich mache mir so meine Gedanken zum Evangelium und was wir dazu beim Bibelkreis gesprochen hatten. Ich werde dankbar für diese Bibelkreisgemeinschaft und finde es wunderbar, dass ich heute noch den Weg in die Kirche und in die Messe geschafft habe, ich bin froh und fühle mich daheim.
Wieder in der Jugendherberge duftet das Zimmer nach frisch-gewaschen. Julia ist fast fertig, hat geduscht, ihre Wäsche gewaschen und auf Bügeln im Zimmer verteilt, versorgt sich die Blasen mit Blasenpflastern. Der Vorrat ist fast aufgebraucht. Ich geh duschen, genieße das warme Wasser auf den Schultermuskeln. Ziehe frische Wäsche an, wasche meine Klamotten und beteilige mich auch an der eigenartigen Zimmerdekoration aus nassem kafarna:um-t-shirt, Unterhose und Socken im Zimmer.
Ich telefoniere noch mit Pascal, er wird wohl übermorgen in Huy zu uns stoßen. Es geht ihm besser. Ich freue mich auf den Weggefährten, den ich bisher nur in Gedanken mit uns wandern sah, dabei war er aber.
Dann gehen wir raus. Wir wollen ja endlich belgische Fritten und wieder Rotwein. Irgendwie scheint für uns der Rotwein zum Pilgern nach Nordspanien zu gehören?!
Wir gehen um die Ecke und finden ein Lokal am nächsten: Döner, Döner, Pita, Pita. Julia meint treffend, dass das die hiesige Pontstrasse sein muss. Wir schauen uns einige Lokale an, machen eine Runde und landen fast wieder beim ersten. Ich nehme den Merguez-Teller und eine Dose Bier, Julia irgendwas eingerolltes mit Fleisch im Fladen und Cola. Während wir essen regnet es und wir ziehen vom Bürgersteig nach drinnen um. Der Wirst, ich schätze so Ende 20, Türke, fragt uns, was wir machen, woher wir sind. Er spricht etwas Deutsch und natürlich Französisch. Ich staune dann mal wieder über die Sprachenvielfalt der sogenannten Migranten in unseren Breiten und wie viel sie da zumindest mir voraus haben. Zwar kann ich mit Englisch überleben. Mein Latein ist aber nur wesentlich hilfreich um irgendwelche Epitaphe oder Grabsteine zu lesen. Essen konnte ich damit noch nie bestellen?!
Als wir von unserem Fußweg, von der Wanderung erzählen, erleben wir Staunen, Anerkennung aber auch Unverständnis. Schließlich meint er, wir seien verrückt. Als sich das alles noch als religiös entpuppt, ist er vollends verdattert. Und als Julia noch so etwas sagt, wie, dass es was ähnliches sei wie nach Mekka zu gehen, ist er völlig sicher, dass wir verrückt sind. Ist es dann Mitleid, Anerkennung, Helfersyndrom oder Sympathie, als wir am Ende noch jeder eine Dose Bier von ihm spendiert bekommen?
Wir gehen in die Herberge, Beten zusammen und dann Bettruhe.

Montag 4. August

Vergiss
alle Eigenschaftswörter

verbrenn
alle Bilder

schreibe ihn
nicht fest

trau
keinem Namen

feilsche
nicht

rechne nicht
mit dem Berechenbaren

nimm Abschied von deinen Erwartungen
und lasse dich überraschen

Gott ist
ganz anders

aber er sucht dich
wenn du dich finden lässt

er findet dich
wenn du ihn suchst

„verbrenn alle Bilder … nimm Abschied von deinen Erwartungen – und lasse dich überraschen“ – Ich hätte nicht gedacht, wie diese Zeile aus unserer Morgenbetrachtung an diesem Tag unseres Weges für mich Realität werden würde.
Ich habe prächtig geschlafen. Julia erzählt beim Aufstehen, es habe in der Nacht mächtig geschüttet und gewittert. Ich hab nichts mitbekommen, fühle mich frisch und saugut. Ich dusche wieder – wer weiß, wann die nächste Dusche kommt. Ich gehe schon runter, um eine Zigarette zu rauchen vor dem Frühstück. Julia will gleich nachkommen. Es dauert eine Zigarette und einen Kaffee, bis sie da ist.
Das Frühstück ist himmlisch: Espresso, Brot, Butter, Marmelade, Honig, Müsli, Joghurt, Orangensaft. Fast schon fürstlich für eine Pilgerfahrt, denke ich mir. Wir packen noch einige Portionsdöschen mehr ein: Butter,  Frischkäse, Marmelade – können wir noch brauchen.
Dann aufs Zimmer und Einpacken. Ich bin vor Julia fertig und gehe schon runter. Ich muss mich noch nach einer Buchhandlung erkundigen in der ich Wanderkarten für den weiteren Streckenverlauf kaufen kann. In Aachen gab es nur welche bis Lüttich.
Alles ist unten geklärt, Julia lässt auf sich warten. Dann endlich kommt sie, wir gehen los. Nicht durch Wald und Naturtäler und entlang an Flüssen und Bächen. Jetzt begleiten uns schmutzige Straßen und heruntergekommene Häuserschluchten und einzig der Verkehr flutet an uns vorbei. Wir überqueren die Maas in Richtung Innenstadt und nehmen einen Blick auf die unschönen Vorstädte. Mir fällt ein Gedicht von Robert Gernhard ein „Hässliches, du hast so was Verlässliches…“ Gernhard hat das Gedicht über Metzingen geschrieben. Was hätte er nur erst geschrieben, wenn er Lüttich gesehen hätte. Wir finden schnell die empfohlene Buchhandlung. Erst schlage ich vor, dass wir uns aufteilen: Ich die Buchhandlung und Julia die Apotheke, um den aufgebrauchten Pflastervorrat aufzufrischen. Dann gehen wir doch beide in die Buchhandlung. Ich wühle mich durch die Wanderkartenberge und finde schließlich nur einen Teil des benötigten Kartenmaterials. Ich zahle und suche Julia, finde sie nicht und denke, sie ist wohl dann doch schon zur Apotheke. Ich also raus und zur Apotheke. Hier ist sie nicht. Wo ist sie, mich beschleicht etwas Sorge, Ratlosigkeit und auch Unmut. Mit dem Handy versuch ich sie zu erreichen – erfolglos, sie geht nicht dran. Warum nicht denke ich, sie hat doch dauernd gesimst und es an, warum jetzt nicht?! Also zurück zur Buchhandlung: Julia steht ruhig und locker bei den Comics – ich koche fast. Wir gehen endlich zur Apotheke. Ich warte draußen und mein Unmut über die Verzögerung steigt. Hätten wir uns aufgeteilt, wie von mir vorgeschlagen, wären wir jetzt fertig und längst weiter. Dann gehen wir schließlich los. Wir wollten noch an der Kathedrale vorbei, hab ich gestrichen, keine Zeit. Wir gehen nach St. Jakob, wir brauchen noch den Stempel. Die Kirche ist beeindruckend. Ich male mir aus, wie hier vor Jahrhunderten morgens und abends ein Gewusel von Jakobspilgern gewesen sein muss. Die Kirche ist reich ausgeschmückt. Das waren bessere Zeiten für Glaubende und Glauben?! Am Altar wird gerade alles für ein Seelenamt hergerichtet. Wir gehen halb in den Altarraum um den Küster anzusprechen, da kommt von Hinten schon eine Frau mit Namensschild und spricht uns auf St. Jacques an. Aus einem Schrank hinten in der Kirche holt sie den Stempel und unser Pilgerausweis ist für heute komplettiert. Wir gehen weiter. Die Suche nach unserer vertrauten roten Muschel auf weißem Grund wird jetzt schwieriger in diesem Großstadt- und Schildergewusel. Aber wir finden sie.
Es geht stadtauswärts. Der Weg ist mühsam: Julia in wohl, wie ich erst später erfahre, schmerzhaften mühsamen langsamen kurzen Schritten; ich mit reduzierter frustrierender Flaniergeschwindigkeit – ich muss immer wieder stehen bleiben und auf Julia warten. Über die erste Brücke der Maas, über die nächste Brücke der Ourte, entlang eines schönen romantischen Seitenarms der Ourte. Ein Stück entlang der Bahn. Durch einen letzten Vorort im Tal. Hier kaufe ich noch zwei Baguette und dann geht es hinter einer Häuserzeile in den Wald und auf einem steinigen schmalen Pfad steil bergauf. Jetzt ist die Zahl der Wegweiser sehr spärlich, der Weg anspruchsvoll. Ein echter schmaler Wanderweg. Erstmals machen sich gutes Schuhwerk und Wandererfahrung bezahlt, ja scheinen erforderlich. Ich gehe in stetigem Schritt, wie bei vielen Bergtouren und Wanderungen von meinem Vater in den Alpen und fast sämtlichen deutschen Mittelgebirgen beigebracht, bergauf. Als ich von meinem Vater durch die Landschaft geschleift wurde, habe ich mich oft gefragt, was das soll. Jetzt merke ich einmal wieder den Nutzen. Julia ist jetzt zeitweilig vor mir und hat ein höheres Tempo, ich staune und vermute ungutes als Folge. Als der Weg wieder ebener wird halte ich mein gleichmäßiges Schrittmaß und -tempo. Julia bleibt dagegen wieder zurück. Ich muss oft stehen bleiben und warten. Der Weg ist steinig und rumpelig. An einer Weggabelung fehlt jede Markierung, die Karte hilft nicht. Ich mühe mich, mich mit Karte und Pilgerwanderbuch zu orientieren und den richtigen Weg zu erkennen. Julia geht einen Weg voraus um nach Wegmarkierungen zu suchen, ich bin unsicher. Schließlich meine ich, ein anderer Weg wäre besser, folge aber Julia, sie ist schon weit voraus und hört nicht mein Rufen. Als ich sie eingeholt habe, habe ich keine Lust, den Weg wieder zurück und dort entlang, wo ich meinte. Wir gehen, ich bin und bleibe unsicher. Wir schweigen uns an. Spürbar wächst bei uns beiden Unmut gegen den Anderen. Nach einer Weile schlagen wir einen Weg in eine vermeintlich andere Richtung ein. Der Weg wird wieder etwas schlechter. Ich muss wieder auf Julia warten. Und nach einer Frage an sie entlädt sich aller Frust, die Schmerzen an den blasen geplagten Füßen, mein Vorauseilen, einfach alles scheinbar und auch spürbar Unschöne innen und außen .
Wir sitzen mit einigen Metern Abstand nebeneinander auf dem Waldboden, giften uns an, schweigen schließlich. Mir fliegen die Gedanken durch den Kopf: Was hab ich falsch gemacht, wo habe ich nicht zugehört, wo fehlte mir Gespür, welche Signale hab ich übersehen, wie geht es weiter, geht es weiter?! Julia schluchzt, wischt die Tränen weg.
Nach einer Weile mit Schreien, Tränen, Zweifeln und Schweigen gehen wir dann doch weiter. Das fahle Licht, die düstere Stimmung des Waldes scheinen unsere innere Stimmung treffend widerzuspiegeln.
Ich entschließe mich, dass wir etwas den Weg zurück gehen und eine andere Richtung nehmen. Wir erreichen nach kurzer Zeit eine schöne Lichtung, die Sonne scheint kräftig und wir machen Pause, essen, liegen in der Sonne, Schuhe ausziehen… Beine und Seele baumeln lassen, innen und außen verschnaufen.
Danach geht es besser. Ich grüble die ganze Zeit und mir drängt sich immer mehr der Gedanke auf: Abbrechen, nach Hause fahren, es geht so nicht. Und dann auch wieder die Gedanken der vielen Pilgerberichte über die Krisensituationen an den ersten Tagen. Heute ist unser dritter Tag, noch fünf weitere liegen vor uns. Meine Probleme mit dem Gewicht des Rucksacks haben sich relativiert. Ich fühle mich fit und frisch und möchte gehen, wandern, Weg machen – das ständige Gebremst-werden macht Frustration.
Julia ist fertig, die Füße voller Blasen bereiten offenbar mächtige Schmerzen, jeder Schritt ist eine Tortour. Ihr Hinterherlaufen, Zurückhängen demotiviert, sie ist insgesamt frustriert.
Wie soll sich das Blatt wenden.
Aber erstmal müssen wir aus dem Wald raus. Wir gehen weiter. Wir sind jetzt in den Ardennen. Die Wege sind schwieriger, Wanderwege, Trampelpfade, steinig, matschig, schwierig. Starke Steigungen und schwierige Abstiege liegen im regelmäßigen Wechsel vor uns. Das ist nicht mehr der gerade gemächliche Weg durch das Herverland. Jetzt ist und wird es immer anspruchsvoller, steiniger, gebirgiger. Dann bei einer weiteren Kurzrast entscheide ich, dass wir den Weg und das Tagesziel ändern. Wir haben noch nicht die Hälfte der Tagesstrecke hinter uns gebracht, es ist aber schon später Nachmittag. Noch gute sieben bis acht Kilometer durch dieses Gelände und der Abstieg zur Ourte liegen vor uns. Unmöglich, das Ziel für diesen Tag noch rechtzeitig zu erreichen. Also den Berg runter nach Tilff und mit dem Zug nach Esneux. So der Plan. Der Weg wird nicht besser, nicht leichter, auch wenn er fest und dann sogar gepflastert ist. Es geht schließlich stetig und steil bergab, da schiebt der Rucksack und das ganze Gepäck auf dem Rücken mächtig. Ich versuche mir annähernd auszumalen, wie es Julia in den Schuhen schmerzen muss, wo das ganze Gewicht mit den Füßen in den Schuhen nach vorne schiebt und mehr als normal die Blasenstellen drücken und reiben.
Da kommt mitten auf der Straße eine Barriere, Blumenkübel. Wieder eine Kurzpause, Rucksack  absetzen, Verschnaufen. Julia nutzt die Pause für einen Besuch der Botanik. Als sie wieder da ist, habe ich nach dem Weg mit Grübeln dann eine Entscheidung getroffen: Wir gehen jetzt unmittelbar nach Tilff zum Bahnhof und fahren nach Hause. Es geht nicht, es geht so nicht weiter. Pilgern und Wandern ist das eine, Verdruss und Schmerzen das andere. Aber beide gehören nicht zusammen.
Nach einigen Überlegungen hin und her, jedoch ohne nennenswerte Widerstände setzen wir den Plan in die Tat um.
Ich muss an Pascal denken, auch da werden wir Enttäuschung bereiten, auch eine Art Frust, aber anderer Art. Insofern ist er wirklich mit uns gegangen: Schmerzen, nicht können, Scheitern, wie bei uns. Ein Weggefährte der ganz eigenen Art. Nicht dabei aber doch mit uns.
Wir gehen den Berg hinunter an schmutzigen kleinen, eng aufstrebenden Häusern, schmucken Gärten, an einem Bach, der uns bis ins Tal begleitet, vorbei.
Wir erreichen den Bahnhof und mir drängt sich der Eindruck auf, Julias Stimmung lichtet sich, je näher der Bahnhof und der Aufbruch nach Hause kommen. Das ist dann gut so!
Ich mache mich vertraut mit dem Gedanken der Morgenbetrachtung: „ … nimm Abschied von deinen Erwartungen – und lasse dich überraschen“.
Ist das jetzt Scheitern oder Erkenntnis oder Entwicklung? Da hab ich noch dran zu grübeln.
Wir warten 30 Minuten auf den Zug, essen auf dem Bahnsteig die Reste aus dem Delhaize in Thimister und aus der Jugendherberge in Liege, füllen die Fahrkarten aus und dann steigen wir in den Zug, fahren nach Lüttich. Am Bahnsteig rufe ich Pascal an, spreche erst mit seiner Mutter, die fragt wie es uns geht. Ich kann eigentlich gar nicht richtig zuhören, stelle ich hinterher fest, sage nur, dass wir abbrechen. Die Antwort ist die der Mutter: Schade, Pascal hatte sich so darauf gefreut. Da schwingt schon bei Pascals Mutter Enttäuschung mit. Wie wird dann nur er selbst auf die Nachricht reagieren? Und es tut fast schon weh, als ich dann mit Pascal spreche und sage, was los ist. Er ist mitleidend und ich merke seine Enttäuschung. Und ganz sicher bin ich mir nicht: Ist er mehr enttäuscht traurig für uns oder für sich – in jedem Fall weiß ich wieder, er gehört doch zur Gemeinschaft und ist bis zum Ende Weggefährte und den Weg mitgegangen.
In Lüttich wechseln wir zweimal das Gleis, man jagt uns von Zug zu Zug; der, in dem wir dann sitzen, ist auch der falsche; nochmal eine Gleisänderung, wieder raus und in den Zug gegenüber. Und dann endlich durch die Täler der Ardennen – Vervier – Richtung Aachen.
Am Abend um fast 20. 30 sind wir zurück. Nach drei Tagen und etwa 70 km haben wir eine Grenze erreicht und überschritten. „ … nimm Abschied von deinen Erwartungen – und lasse dich überraschen“.
Ich bin mir nicht sicher, wie der, wie mein Jakobsweg weitergehen wird. Nächstes Jahr dann ab Tilff? Und unter welchen Bedingungen.
Ich wäre so gerne…
Ich habe dieses Jahr noch Urlaub, nach der Taizefahrt, soll ich da allein weitergehen und die Strecke bis Dinant fertig machen?
Oder erst nächstes Jahr mit kafarna:um, wie angekündigt.
Ich bin mit relativer Sicherheit los gelaufen und mit Unsicherheit zurück gekehrt. Gleichwohl: Mir haben die drei Tage gut getan, es war anstrengend, ja, aber es tat gut. Innen und außen. Ich habe mich gespürt, meinen Körper, meine Muskeln, meine Knochen. Aber auch meine Augen, ein anderes Sehen der Dinge am Wegrand. Aber auch mein sehen innen, Berührungen, Begegnungen, scheinbar Verschüttetes, Anfragen… Und: Ich bin in gewissem Maße gescheitert und das ist eine Erfahrung, ein Gefühl, was nicht leicht fällt; ein Erleben meiner Selbst und Wirklichkeit, die ich ungern zulasse. Das passt schwer in mein Bild von mir und ich muss mich mit mir neu darüber auseinander setzen. Insofern war der Weg gut und wichtig für mich und so wie er war. Aber: Ich suche deshalb auch jetzt neu meinen Weg, meine Weggabelung, meine Grenze und wie weit mich nun dieses Wort wirklich betrifft: „verbrenn alle Bilder … nimm Abschied von deinen Erwartungen – und lasse dich überraschen“.
Der Weg, stelle ich fest, hat erst begonnen, die drei Tage haben etwas in mir bewirkt, ich staune, ich bin überrascht.
Wie passend doch die scheinbar zufällige Textauswahl für diese Tage war. Mir scheint der Anfangstext vom Segnungsgottesdienst passend als Fazit und Motivation für die Zukunft:
„glauben – losgehen – unterwegs bleiben“

Wie, von wo, mit wem geht was und wann weiter?!

Danke Julia und Pascal für den gemeinsamen Weg.

Matthias

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