Hallo Kafarna:uten!

Seit zwei Wochen heißt es nun schon für mich früh aufstehen und ab in die Schule. Von Montag bis Freitag besuche ich die Avonside girls highschool und lerne das Schulleben hautnah kennen!

Morgens packe ich meine Lunchbox mit zwei Broten, einer Banane, einer Kiwi, einer kleinen Tüte chips und einem Müsliriegel, dann werfe ich mich elegant auf das Fahrrad meines Gastbruders und radle los. Das Rad hat leider einen sehr tiefen Lenker, sodass ich eine groteske Figur machen muss, um ihn zu erreichen. Ich erspare euch ein Foto und überlasse alles euer Vorstellungskraft. Anfangs war es sehr anstrengden mit gekrümmten Rücken, aber ich gewöhne mich daran!

Um halb acht müssen alle Schülerinnen in ihrer Formclass sein, so auch ich. Mrs. Silvester, sie ist sowas wie eine Klassenlehrerin, präsentiert uns heute stolz kleine indische Flaggen, die sie ausgedruckt hat. Denn nächsten Montag geht die olmpische Woche los und meine Formclass repräsentiert India. Am Montag sollen wir uns alle indisch kleiden, während der Lunch-Pause wird es dann eine kleine Parade geben, wo jede Klasse ein anderes Land präsentiert.

Alisha erklärt sich bereit eine große Flagge für uns zu malen und noch einmal wird dazu aurgerufen möglichst viele Armänder am Montag mitzubringen, das ist besonders indisch.

Um Viertel vor neun klingelt es und alle verstreuen sich und starten ihre Wanderung zur ersten Stunde. Da die verschiedenen Schulgebäude durch die schweren Erdbeben in Christchurch größtenteils zerstört wurden, ist die Schule nun eine Landschaft aus vielen kleinen Containerblöcken, wo jegliche Art von Unterrichtsraum untergebracht wurde. Ich habe heute in der ersten Stunde Englisch (eine Schulstunde dauert 50 min). Ich gehe mit Alex, die Mathe hat, zum Block E, dort wartet eine vollbesetzte Klasse auf mich und mein Lehrer („der aussieht wie Santa Clause“ Zitat Alice). Heute besprechen wir einen Ausschnitt aus einem Roman und ein Gedicht. Allerdings machen nicht wir die Arbeit, sondern der Lehrer. Er steht vorne, analysiert den Text, gibt Hinweise und wir hören zu. Kira (mit ihr zusammen bin ich hier hin geflogen) und ich, wir fragen uns manchmal, ob das hier wirklich Unterricht ist! Auch die Examensfragen zu den Texten sind verglichen zu Klausuraufgaben in Deutschland ein Kinderspiel.

Nach Englisch gehe ich weiter zu Mathe. Es erwartet mich eine Klasse voller uniformierter Mädchen. Es herrscht Schuluniform Pflicht außer für die Dreizehner. Glück gehabt! Die Zwölfer machen in Mathe gerade das, was ich in der Elf gelernt habe. Also mache ich meine Spanisch Hausaufgaben und schreibe eine Postkarte (an wen wird hier nicht verraten). Die Zwölfer sind nett und anstatt Mathe Aufgaben zu lösen unterhalten sie sich lieber mit der Lehrerin, die das gerne zu lässt. So erfahre ich viel über diverse Reisen, die die Schülerinnen unternommen haben, über ihre Haustiere und ihre Arbeit. Ich höre Anekdoten über den Vater meiner Lehrerin und lasse meinen Taschenrechner in meiner Tasche. Ist ja schließlich ein TASCHENrechner.

Danach habe ich eine kleine Pause, in der ich zurück in meine Formclass gehe und Kate, Alex, Laura, Ali, Ami und ein paar weitere treffe. Die Mädchen hier sind alle sehr nett und sind direkt an meinen ersten Tagen hier auf mich zu gekommen. Alle finden es furchtbar exciting, dass ich aus Deutschland komme! Manchmal klinke ich mich in die Unterhaltung ein, aber meistens unterhalte ich mich eher mit einer bestimmten Person, dass ist einfacher. Laura mit den Regenbogen Schuhen und ich gehen dann nach der Pause zusammen zu hard material (Werken). Mein Lieblingsfach! Hier passiert mal richtig was und mein Lehrer ist der Kracher! Im Moment arbeite ich an einer kleinen Holzbox, in der ich demnächst meine button collection unterbringen werde! Kleiner Scherz. Da ich meine Nähuntensilien darin unterbringen möchte hielt ich es für eine gute Idee ein paar Knöpfe auf den Deckel zu machen, zur Zeit arbeite ich an den Vertiefungen für sie. Also habe ich ein Glas voller Knöpfe mit zum Unterricht gebracht. Der Lehrer hat nicht schlecht über meine button collection gestaunt und mich gefragt ob ich die aus Deutschland mitgebracht hätte. Habe ich natürlich nicht. Ich habe sie auf meiner Rundreise über die Nordinsel erstanden, da die Knöpfe sehr günstig waren und ich Knöpfe immer gebrauchen kann, wie man sieht. Gestern kam dann Laura zu mir, um zu fragen seit wann ich denn schon Knöpfe sammeln würde?! Ich habe ihr erklärt, dass es bloß ein Witz ist und ich gar keine Sammlung besitze. Heute habe ich ihr dann einen Knopf meiner „Sammlung“ geschenkt.

In dieser Stunde hab ich Zara und Laura gezeigt wie man Origami Elefanten faltet und weiter an meinen Knopfvertiefungen gearbeitet. Andere haben an einer argetinischen Flagge gebastelt für die olympische Woche. Die Flagge, die in der Mitte eine Sonne hat, wo normalerweise ein Strichpunkt Gesicht ist, zeigt hier das Gesicht des hard material teachers.

Nach hard material hatte ich Photography, wo Kira und ich uns den Umgang mit Fotoshop beibringen. Heute fragt uns die Lehrerin, welche Farben die deutsche Flagge hat (ihre Klasse ist Deutschland in der olympischen Woche) und ob Brezeln aus Deutschland kommen. Die anderen Schüler arbeiten alle an Projekten an denen sie bereits seit Monaten arbeiten, langsam geht es für sie dem Ende zu…

Es folgt die große Lunch-Pause in der ich wieder in meine Fromclass zurückkehre und dort meine Brotdose leere. Es wird sich währenddessen über Jungs und Beziehungen unterhalten wird.

In meiner letzten Stunde heute habe ich Spanisch in der Elf. Wir sind sieben Schülerinnen plus eine nette Lehrerin, die einen süßen englischen Akzent hat, wenn sie Spanisch spricht. In Spanisch wird tatsächlich mal gearbeitet, wenn auch ganz anders als bei uns in Deutschland. Es beginnt mit einem kleinen Test. Verschiedene Sätze und Wörten stehen in Englisch oder in Spanisch an der Tafel, die dann übersetzt werden sollen. Nach der Besprechung fragt die Lehrerin ab, wie viele Wörter man richtig hat. Es folgt die Überprüfung der Hausaufgaen, da ich meine Hausaufgaben gemacht habe (in Mathe) bekomme ich als Belohnung ein ferrero roché! Dann werden neue Verbformen an das white board geschrieben. Die Lehrerin spricht sie vor, wir wiederholen das ganze im Chor und übertragen es ins Heft. Jeder Satz, der zusammen erarbeitet wird wird ins Englische übersetzt. Hilfreich für mich, so lerne ich zwei Sprachen gleichzeitig!

Um Zwanzig vor drei ist die Schule aus und ich fahre mit meinem Rad nach Hause.

 

Was mir in der Schule besonders klar geworden ist ist, dass Neuseeland eine Insel ist. Die Anforderungen in der Schule sind viel niedriger als in Deutschland. Es herrscht einfach nicht so viel Druck. Durch die Bevölkerungsdichte von 16 Menschen pro Quadratkilometer ist Neuseeland wie eine große Familie. Alles läuft gemütlich, sodass jeder mitkommt, aber es läuft! Es wird weniger Wert darauf gelegt, dass die Schüler ableiten können oder eine komplizierte Gleichung lösen können, als eher darauf soziale Kompetenzen und Kreativität zu fördern. Immer wieder gibt es Aktionen wie die olympische Woche. An meinem letzten Schultag hier (17.08.) wird es zum Beisspiel einen Tag geben, wo sich die Schülerinnen wie ihr Lieblingsbuchcharakter kleiden können. All diese Dinge werden von Schüler Gruppen organisiert. Die olympische Woche organisiert derdiedas sport council. Außerdem gibt es noch ein/eine/einer art council, international council, social council,  und und und. Laufend werden neue Aktionen geplant und durchgeführt.

Meine Spanischleherein hat es so auf den Punkt gebracht: „Schule hier muss wie Ferien für dich sein“. So ist es (fast).

Eure Sara Eisbär