Heute gibt’s die Begrüßung auf Arabisch – denn das habe ich die letzten anderthalb Wochen sehr, sehr viel gehört. Nachdem ich zuerst mehrere Tage die Arbeit auf der Begegnungsstätte „getestet“ habe, habe ich danach nämlich im Shop, dem Souvenirladen, gearbeitet. Dort arbeite ich mit Husam, Adel und Reema zusammen, drei der fest angestellen MitarbeiterInnen, die alle arabisch sprechen (und nicht nur das, sondern auch Hebräisch und mehr oder weniger gutes Englisch; Husam spricht sogar noch Italienisch, Französisch und Bruchstücke verschiedenster anderer Sprachen – ich finde das immer wieder beeindruckend!). Im Hintergrund läuft meistens arabischsprachiges Radio, was mir allerdings langsam wirklich auf den Geist geht – ich habe das Gefühl in jedem Lied kommt das Wort Habibi mindestens zehnmal vor. Demnächst wollen Magda und ich ein paar kleine Boxen mit in den Shop nehmen, um ab und zu auch mal Musik die wir gerne hören laufen lassen zu können. Magda arbeitet jetzt fest im Shop, während Paul, Josh und ich uns ein Rotationssystem überlegt haben. Jede/r von uns arbeitet eine Woche im Shop und dann wieder zwei Wochen auf der Begegnungsstätte. Das ganze startet nächste Woche, die ich also wieder im Shop arbeiten werde, und danach geht’s „runter“ – die Begegnungsstätte ist tiefer und näher am Seeufer gelegen als die Kirche und der Shop. Insgesamt ist die Arbeit im Shop abwechslungsreich: Morgens schließen Magda und ich um 07:30 Uhr auf, dann wird alles rausgestellt, aufgehangen, kontrolliert, aufgefüllt und gegebenenfalls nachbestellt. Wenn Bestellungen ankommen muss alles ausgepackt, teilweise mit Preisen versehen und weggeräumt werden. Es gibt Stunden oder Tage, an denen man fast nur herumsitzt, Kreuzworträtsel löst und versucht, nicht einzuschlafen. Dann kommen Zeiten in denen man fast überrannt wird von italienischen und spanischen älteren Damen, die denken, mensch würde sie besser verstehen, wenn sie ihre Sprechlautstärke in unermessliche Höhen schrauben. Nichtsdestotrotz gibt es auch jede Menge sehr netter KundInnen, die auch Verständnis dafür haben, wenn das Umrechnen von Schekel in Euro oder Dollar und das Verpacken der Sachen mal ein bisschen länger dauert, weil wir erst bei Husam, Reema oder Adel nach den Preisen fragen müssen. Die können wir nämlich längst noch nicht alle auswendig. An den Tagen, wo wirklich viele Leute kommen, bin ich nach der Arbeit auch echt kaputt. Dann gönne ich mir meistens erstmal eine kleine Pause mit Joshie, unserem Kaninchenbaby (Foto oben rechts).  Ich hole irgendwas an Gemüse aus dem Store, setzte mich mit ihm auf die Wiese und wundere mich, wie etwas so klein und ultra-flauschig sein kann.

À propos Tiere: Vegane Ernährung hier läuft hier besser, als ich erwartet hätte. Ich kann so gut wie jeden Tag etwas warmes essen, es gab noch nie etwas, was mir nicht geschmeckt hat. Ibrahim, unser Koch, behauptet zwar weiterhin steif und fest, ich könne doch Fisch oder Hühnchen essen, das sei schließlich kein Fleisch, aber dann sorgt er trotzdem immer dafür, dass ein Teil des Essens vegan ist. Dienstag gab es mein absolutes Lieblingsessen, hier noch viel leckerer als in Deutschland: Fritten, Falafel, Hummus und Tomaten-Tahin-Salat (Tahin, Tahini, Tahina, Trina oder wie auch immer – jeder sagt und schreibt etwas anderes – ist eine Sesampaste, in die Ibrahim in diesem Fall auch noch Knoblauch und ein paar Kräuter gemisch hat. Omnomnom!). Ich hab so viel gegessen, dass mir fast schlecht war, aber es war einfach viel zu lecker.

Vorgestern sind Matthias und Anna wieder nach Deutschland geflogen, und Simon (der übrigens Anna’s Bruder ist), Vincenz und Caro sind angekommen. Alle drei waren vorher schonmal in Tabgha, so dass die Eingewöhnung und Orientierung wohl ein bisschen schneller geht als das bei mir der Fall war. Ich bin sehr gespannt alle näher kennen zu lernen.

Zum Schluss noch etwas zu dem Foto ganz oben: Wir sind letztes Wochenende mit dem Bus nach Akko ans Meer gefahren. Die Busfahrt an sich war zuerst sehr komisch – ich bin einfach nicht daran gewöhnt, dass die Hälfte der Menschen im Bus SoldatInnen mit riesigen Maschinengewehren sind. Das Bild eines solchen Soldaten, der friedlich wie ein Baby schläft und dabei so eine Waffe auf dem Schoß hat, war sehr befremdlich für mich. Aber man gewöhnt sich schnell daran: In einem Land in dem es zwei Jahre Wehrpflicht für Frauen und drei Jahre Wehrpflicht für Männer gibt, in denen sie dann entsprechend herumlaufen, sieht man so viele SoldatInnen, dass es irgendwie ins Gesamtbild rückt, nicht mehr so sehr ins Auge springt. Das also zur Fahrt. Worauf ich eigentlich hinauswollte: Josh, Matthias, Paul, Sophie, Thomas und ich sind an einer bestimmten Stelle auf die Stadtmauer, an die das Mittelmeer brandet, geklettert und von dort aus gute 10-12 Meter runter in den Ozean gehüpft. Das war ein riesen Adrenalinkick und hat extrem viel Spaß gemacht.

Das war es für den Augenblick von mir, ich melde mich demnächst wieder, dann mit einem kleinen Schwank über meinen ersten Besuch in Jerusalem.

Liebste Grüße aus Tabgha!

Theresa