.. sage ich, wenn ich an der Kfar Nakhum Junction in den Bus einsteige: Zweimal Jerusalem, also hin und  zurück. Mit dem Bus Nr. 963 fährt man knappe drei Stunden bis die Central Bus Station in Jerusalem erreicht ist. Ich finde es immer wieder überraschend kühl wenn ich dort ankomme, abends braucht man mittlerweile definitiv etwas wärmeres, langärmeliges zum Anziehen. Auf die Idee kommt man hier in Tabgha nicht mal ansatzweise, die Temperaturen liegen immer noch über 30°C und ich ziehe höchstens aus Bequemlichkeitsgründen abends eine lange Leinenhose an.

Vom Busbahnhof geht es jedenfalls dann für umgerechnet 1,40€ mit der Tram bis in die Altstadt. Die Tram an sich wirkt manchmal ein wenig deplaziert, fast zu modern und clean in der doch sehr wuseligen Stadt. Mein erster Besuch in (Ost-)Jerusalem war während des Ramadan, und ich wäre fast hintenübergefallen weil alles schlichtweg drunter und drüber ging. Tagsüber bekommt man nur bei Christen und Juden etwas Warmes zu Essen, logisch, aber sobald die Sonne untergeht explodiert das arabisch-muslimische Leben: Die Leute strömen nach draußen, überall steigt Dampf und Rauch von den kleinen Läden und Garküchen auf, es riecht nach Essen, von allen Richtungen plärrt irgendwelche Musik, der Verkehr ist chaotisch und es wird bei jeder Gelegenheit gehupt als gäbe es kein Morgen (gerne auch bis 3 Uhr früh) – es ist wie ein riesiger Ameisenhaufen. Das kann man auf dem Foto ganz gut erkennen – aufgenommen vom Dach des Paulushauses sieht man das Damaskus-Tor mit der nachtaktiven Menschenmenge.

Außerhalb des Fastenmonats sieht es in Ostjerusalem dann schon um Einiges ruhiger aus, es sei denn man läuft zur falschen Zeit durch den Suq. Dann sollte man sich eine halbe Stunde mehr Zeit nehmen um von A nach B zu gelangen, denn es ist praktisch kein Durchkommen in den kleinen Gassen, wenn so viele Menschen unterwegs sind und sich dazu noch Leute mit Karren voller Waren durch die Menge quetschen. Die Gerüche dort reichen von wunderbar-würzig bis ekelhaft-stinkend (ich kriege vor allem im Vorbeilaufen an den Fleischereien in denen die Tiere am Stück im Schaufenster hängen und es widerlich nach Blut und rohem Fleisch stinkt regelmäßig einen Würgreiz und halte jetzt, wo ich weiß wo diese sich befinden, den Atem an bis ich weit genug von ihnen entfernt bin) und auch die Menschen die dort unterwegs sind reichen gemischt von Touristen über Volontäre / Bewohner auf Zeit und Eingewanderte bis zu Einheimischen. Als Frau ist es manchmal wirklich ätzend von aufdringlichen Männern dumm von der Seite angequatscht zu werden, aber hey, ich erwidere dann einfach auf deutsch eher für mich als für besagte Typen etwas à la „du  mich auch, und jetzt auf Wiedersehen“ und laufe einfach weiter.

Mein letzter Besuch in Jerusalem war Mittwoch / Donnerstag dieser Woche. Ich war nämlich gemeinsam mit vier anderen Freiwilligen des DVHL zu einem Empfang in der Residenz des deutschen Botschafters in Herzliya Pituach in der Nähe von Tel Aviv eingeladen. Dort waren wir bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch Horst Seehofer an Max Mannheimer dabei (http://www.welt.de/newsticker/news3/article109184102/Max-Mannheimer-mit-dem-Bundesverdienstkreuz-ausgezeichnet.html), die in einem kleineren Rahmen stattfand. Der Abend war ein wenig surreal für mich – viele Menschen in Anzügen, die sich sehr wichtig nehmen und ein Rasen der aussah, als wäre er mit einer Nagelschere geschnitten worden. Wir Volontäre waren natürlich auch alle schick angezogen und haben diesen kleinen Ausflug in eine uns doch eher fremde Welt mit Häppchen und Getränken genossen. Es war wirklich eine Erfahrung wert, und ich schätze mich glücklich Max Mannheimer begegnet zu sein, wenn ihr Lust habt informiert euch doch mal über ihn und sein Engagement – ich war und bin sehr beeindruckt von seiner Person.

Ansonsten bleibt zu sagen, dass es mir nach wie vor sehr gut hier in Tabgha geht. Wir VolontärInnen wachsen immer mehr zusammen, unternehmen viel und meistern die alltäglichen Aufgaben immer routinierter. Tabgha ist ein richtiges zu Hause für mich geworden, und ich bin immer wieder sehr glücklich wenn der Bus aus Jerusalem um die Kurve biegt und ich den blauen See unten liegen sehe. Dann weiß ich, dass ich bald zu Hause bin, und genau dieses „nach-Hause-kommen-Gefühl“ ist das, was mir immer wieder bewusst macht, was für ein Glück ich habe diese Erfahrungen an diesem wunderbaren Ort mit diesen tollen Menschen machen zu dürfen.

Und nun begebe ich mich ab in mein Bett, denn morgen ist Sonntag, das heißt Volontärsbrunch und vor allem: Endlich einmal ausschlafen. Wer mich kennt weiß, dass das das Highlight der Woche für mich ist 😉

Gute Nacht zu Hause, bis bald!

Theresa